Die IG Velo Bern dankt für die Möglichkeit
zur Mitwirkung und bringt ihre Gedanken, Bedenken und Vorschläge gerne
vor. Wir äussern uns primär zum geplanten Verkehrsregime aus
Sicht des Veloverkehrs.
1. Allgemeines
Die Bestrebungen, auf dem Wankdorfplatz
und seinen Anschlüssen Verbesserungen zu erzielen, möchten wir
unterstützen.
Das vorliegende Projekt ist beeindruckend,
und man ist rasch geneigt, es im Vergleich zur heutigen Lage als gelungene
Neuerung einzustufen.
Als klare Vorteile anzuerkennen sind die
durchgehenden Radstreifen oder Umweltspuren auf allen Zu- und Wegfahrten
des Wankdorfplatzes.
Die Querung des Platzes wird für
Velos mit Bestimmtheit sicherer und komfortabler als heute.
In Bezug auf den Veloverkehr ergeben sich
dennoch einige Bedenken. Sie entstehen zum Teil auch daraus, dass die oberirdische
Verkehrsfläche nicht ganz vom motorisierten Individualverkehr MIV
befreit werden soll, was wir sehr bedauern, sowie aus der gesamthaftlichen
Kapazitätserhöhung.
Dass der MIV oberirdisch nur noch geradeaus
zirkulieren soll, ist gegenüber bereits natürlich eine grosse
Erleichterung. Konsequent wäre es, wenn der MIV ganz in den Kreisel
"verbannt" werden könnte.
Wenn oberirdisch noch der Geradeausverkehr
des MIVs zirkuliert, ergeben sich neue Fragen:
Auffallend und positiv sind die vielen
neuen Radstreifen in den Zu- und Wegfahrten.
Für das Rechtsabbiegen und Geradeausfahren
von Velos sehen wir mit Ausnahme der Schienenquerungen (siehe unten) kaum
Probleme und unterstützen eine solche Verkehrsführung.
Als völlig untauglich erachten wir
jedoch das vorgeschlagene indirekte Linksabbiegen. Dieses "Angebot" bzw.
diese einzige (und wohl als Vorschrift konzipierte?) Möglichkeit wird
nicht funktionieren und nicht genügen. Die Folgen wären unberechenbares
und "wildes" Verhalten des Veloverkehrs.
Aus obigen Analysen leiten wir folgenden
Lösungsvorschlag ab:
4. Veloverkehr und Tramschienen
Wir befürchten erhebliche Friktionen
zwischen den Bedürfnissen des Veloverkehrs und den Tramschienen des
stadteinwärts führenden Geleises:
5. Tram-/ Bushalt vor Stadion
Ungelöst scheint uns die Haltestellensituation
vor dem Stadion.
Wo werden Zusatzbusse anhalten oder warten?
Vermutlich werden haltende oder wartende
Trams und Busse während der Zeitinsel links oder rechts von Velofahrenden
überholt.
Und vor allem: Die Passagiere werden grossmehrheitlich
nicht hinter der Allee warten (wo sie das Tram nicht nahen sehen), sondern
auf dem "Perron" in der Flucht der Radstreifen. Dadurch werden Velofahrende
gezwungen, bei Abwesenheit von ÖV-Fahrzeugen im engen Raum zwischen
Schienen und Haltestellenkante zu fahren. Wenn man dies verhindern will,
darf vermutlich kein als solcher erkennbarer Perron erstellt werden.
6. Wegfahrt Winkelriedstrasse
Zwischen dem Platz und der neuen Abzweigung
zur S-Bahn-Station entsteht gegenüber heute ein neues heikles Hindernis,
nämlich dass der Veloverkehr irgendwo die Tramlinie queren muss. Hier
sehen die Mitwirkungsauflage und die soeben abgeschlossene Auflage des
Bauprojekts des städt. Tiefbauamts völlig verschiedene Verkehrsführungen
vor (insbesondere für Tram und Velos). Solange die definitive Linienführung
des Trams nicht klar ist, können wir die vorliegenden Varianten nicht
beurteilen.
Sorgen bereitet auch die Frage, auf welche
Weise Autos aus dem unterirdischen Kreisel auf der relativ kurzen Strecke
über ein Tramgeleise, eine MIV-Spur und einen Radstreifen hinüber
in die Rechtsabbiespur Richtung S-Bahn-Station wechseln sollen.
Da hier alles zusamenhängt, ersuchen
wir die beteiligten Parteien, die Festlegung dieser Verkehrsführung
keinesfalls dem Plangenehmigungsverfahren für die Tramlinie zu überlassen.
Wir sind auch bereit, hier bei der Detailplanung mitzuwirken.
7. Generelle Forderung zu Lichtsignalanlagen
Für sämtliche Lichtsignalanlagen,
die im Zusammenhang mit der Platzsanierung neu erstellt oder umgerüstet
werden, verlangen wir maximale Durchlässigkeit für den
Veloverkehr. Insbesondere, wenn die Anlage auch zur Pförtnerung dienen
sollte.
Das heisst: separate Veloampeln, eine
auftrennbare, velofreundlich programmierte Regelung und ausreichend vorgelagerte
Anmeldemittel, welche unnötiges Abbremsen ausschliessen.
8. Papiermühlestrasse nord
Die Neuerung bei der Einmündung Worblaufenstrasse
bedeutet gegenüber heute sicher eine Verbesserung, sogar wenn keine
Lichtsignalanlage installiert würde.
Sollte diese Lichtsignalanlage zur Pförtnerung
dienen, so verlangen wir auch hier maximale Durchlässigkeit.
9. Fussgänger- und Velobrücke zwischen Allmend und Bananenbrücke
Die Schaffung einer Überführung
zwischen Schermenwald und Allmend begrüssen wir ausdrücklich.
Wir bedauern, dass ab der geplanten niveaugleichen
neuen Querung des Schermenwegs noch keine bessere Verbindung auf die Grosse
Allmend möglich wird.
10. Verbindung Kleine Allmend - Nordquartier
Aufgrund der erwarteten grossen Mehrbelastung
wird die Bolligenstrasse auch mit flankierenden Massnahmen für den
Veloverkehr kaum eine Aufwertung erfahren. Auch der Schermenweg wird trotz
Radstreifen eine wenig ansprechende Asphalt-, Lärm- und Abgasroute
bleiben.
Eine alternative Verbindung zwischen dem
Raum Fliegerquartier/Ostermundigen und dem Nordquartier wäre deshalb
angezeigt und relativ einfach zu haben. Denn bereits heute existiert eine
fahrbare Route, welche jedoch wenig bekannt ist und etliche kleinere Komfortdefizite
aufweist. Kernstück ist die bestehende Autobahnüberführung
im Westen des Zentwegs, welche in den Unterlagen "nur" als Fussgängerverbindung
verzeichnet ist.
Wir schlagen im Osten einen velotauglichen
Ausbau der diagonalen Wegverbindung über die Kleine Allmend zur Brücke
vor. Auch ab Zentweg sollte eine Auffahrt zur Brücke über die
Autobahn geschaffen werden. Vom westlichen Teil der Ueberführung bis
zur Papiermühlestrasse sind punktuelle Verbesserungen zu prüfen.
Südlich des Stadions ist die Querung der Papiermühlestrasse und
der Anschluss an den geplanten Radweg südlich des Stadions noch zu
lösen. Im Richtplan leichter Zweiradverkehr der Stadt Bern ist die
Verbindung über die Brücke (Zentweg - grosse Allmend) als Velonebenroute
verzeichnet.
11. Knoten Bolligenstrasse/Schermenweg
Diese Lösung können wir unterstützen.
Die vielen neuen Radstreifen bedeuten eine Aufwertung.
Wir hoffen auf eine möglichst weitreichende Berücksichtigung unserer Anliegen und danken für das Entgegenkommen.