Der Bund: 1995-09-28
LESERBRIEF
HALENSTRASSE / Definitive Sperrung
Jetzt jaulen sie wieder
Und wieder jaulen sie auf, die Gemeinder?te der Gemeinden nördlich
von Bern. Allen voran jene von Meikirch und Kirchlindach. Wen vertreten
eigentlich diese Leute? Gibt es da wirklich nur Autofahrer und keine Fussg?nger,
Velofahrer, Postauto-Ben?tzer? Der Egoismus dieser Autolobby ist nun wirklich
nicht mehr zu ?berbieten, geht es doch heute darum, ein Versprechen einzul?sen,
das anl?sslich des frevelhaften Autobahnbaus quer durch den Bremgartenwald
abgegeben worden ist. Jetzt reicht's!
TONI KUSTER, Bern
Der Bund: 1995-10-12
Streit um Halenstrasse geht weiter
Die Auseinandersetzungen um die Schliessung der Halenstrasse nehmen
kein Ende: Gegen den Entscheid der Stadt Bern, allf?lligen Beschwerden
die aufschiebende Wirkung zu entziehen, sind sechs Beschwerden eingegangen.
msu. Ende September gab der Berner Gemeinderat bekannt, er werde die
Halenstrasse durch den Bremgartenwald nach dem einj?hrigen Versuchsbetrieb
Anfang Oktober endg?ltig f?r den motorisierten Privatverkehr sperren. Um
die Sperrung tats?chlich durchf?hren zu k?nnen, entzog die Stadt Bern allen
Beschwerden die aufschiebende Wirkung. Dagegen sind beim Regierungsstatthalter
nun sechs Beschwerden eingegangen. Sie stammen von Privaten, zwei Firmen
sowie dem Lindenhofspital, das sich vom entstandenen Mehrverkehr auf der
Bremgartenstrasse gest?rt f?hlt.
Keine Beschwerde gef?hrt haben die Gemeinden der n?rdlichen Agglomeration.
Kirchlindach und Wohlen war bereits im letzten Jahr in dieser Sache das
Beschwerderecht abgesprochen worden. Die Stadt Bern hat nun bis zum 20.
Oktober Zeit, um bei Regierungsstatthalter Sebastian Bentz eine Beschwerdeantwort
einzureichen. Wann Bentz einen Entscheid treffen kann, h?ngt davon ab,
ob es einen zweiten Schriftenwechsel gibt oder nicht. Unabh?ngig davon
wird die Halenstrasse weiter f?r juristische Auseinandersetzungen sorgen:
Die sechs Parteien haben n?mlich auch gegen die eigentliche Sperrung Beschwerden
eingereicht.
Der Bund: 1995-10-23
Leserbrief
Bei der seinerzeitigen Planauflage der Autobahn im Bremgartenwald wurde
durch das Burgerliche Forstamt Bern in äusserst zähen Verhandlungen
die bestm?gliche Linienf?hrung erreicht. Trotzdem musste mit Bedauern festgestellt
werden, dass die Erholungsfunktion des Waldes infolge Rodungen durch den
Autobahnbau (Bremgarten 44 ha) sich einschneidend verringerte und dass
L?rm- und Abgaseinwirkungen angrenzende Gebiete nach Inbetriebnahme stark
beeintr?chtigten.
Im Interesse der erholungssuchenden Bev?lkerung verlangte deshalb die
Burgergemeinde die Aufhebung der verschiedenen Durchgangsstrassen, u. a.
auch die der Halenstrasse . Vorleistung daf?r wurde bereits durch eine
f?r den st?ndigen Verkehr zu schmal dimensionierte Autobahnbr?cke beim
Forstzentrum erbracht. Ein Trottoir wurde der Br?cke als Provisorium angeh?ngt.
Die Aufhebung liess auf sich warten, da von st?dtischer Seite her argumentiert
wurde, eine solche k?nne erst nach dem Bau einer neuen Murtenstrasse mit
direkter Verbindung nach Wohlen erfolgen.
Die jetzt endlich erfolgte Aufhebung der Halenstrasse als Durchgangsstrasse
ist deshalb kein willk?rlicher Akt des Gemeinderates, sondern die l?ngst
?berf?llige Erf?llung einer Verpflichtung. Es erscheint anmassend, vom
Gemeinderat der Stadt Bern zu verlangen, seine Verpflichtung gegen?ber
der Stadtbev?lkerung zugunsten der ?im Gr?nen? lebenden und nur in die
Stadt zur Arbeit fahrenden Bewohner nicht erf?llen zu sollen. Schliesslich
w?hlt jeder seinen Wohnort mit allen positiven und negativen Seiten selbst.
Je mehr Menschen in der Agglomeration wohnen und per Auto zur selben Zeit
in die Stadt dr?ngen, um so gr?sser werden die Autoschlangen vor Ampeln
und Kreuzungen. Dies rechtfertigt jedoch in keiner Weise die Forderung
nach Wiederer?ffnung der Halenstrasse .
GOTTFRIED VON FELLENBERG, Muri
(damaliger Oberförster des burgerlichen
Forstamtes, tsb)
Der Bund: 1995-10-28
Freie Fahrt auf der Halenstrasse
Das juristische Hin und Her um die Halenstrasse hat f?r einmal den
Gegnern der Schliessung einen Sieg beschert: Die Halenstrasse, die Bern
mit den nördlichen Agglomerationsgemeinden verbindet, ist ab sofort
wieder offen.
msu. "Der Regierungsstatthalter hat die Beschwerden gutgeheissen", bestätigte
Berns Polizeidirektor Kurt Wasserfallen einen Bericht des Regionaljournals
DRS von gestern abend. Als der Berner Gemeinderat Ende September beschloss,
die Halenstrasse nach einem einj?hrigen Versuch definitiv zu sperren, entzog
er allf?lligen Beschwerden die aufschiebende Wirkung. Dagegen sind auf
dem Regierungsstatthalteramt wiederum sechs Beschwerden eingegangen, darunter
diejenigen des Lindenhofspitals und des letztj?hrigen Pr?sidenten des Grossen
Rates, Alfred Marthaler.
Ihnen hat Regierungsstatthalter Sebastian Bentz nun recht gegeben. In
der Begr?ndung habe er darauf verwiesen, die Beschwerden k?nnten bis vor
den Bundesrat gezogen werden und das Hauptverfahren k?nnte sehr lange dauern,
sagte Kurt Wasserfallen gegen?ber dem ?Bund?. Aus dem Entscheid, den Beschwerden
eine aufschiebende Wirkung zuzugestehen, ergebe sich nun die Tatsache,
dass die Stadt Bern die Halenstrasse wieder ?ffnen m?sse, selbst wenn sie
das Urteil von Sebastian Bentz an den Regierungsrat weiterziehen wolle.
Allerdings hat Kurt Wasserfallen noch nichts unternommen, um die Schilder,
welche die Sperrung signalisieren, entfernen zu lassen. Der Polizeidirektor
will die neueste Entwicklung n?chsten Mittwoch im Berner Gemeinderat besprechen,
der gesamthaft ?ber einen m?glichen Weiterzug oder einen ?bungsabbruch
entscheiden wird.
Auch wenn die Halenstrasse von der Stadt Bern formell noch nicht wieder
ge?ffnet worden ist: Aus dem Entscheid des Regierungsstatthalters ergebe
sich klar, dass eine allf?llige Busse wegen Nichtbeachtens eines Fahrverbots
keine Rechtskraft h?tte, f?hrte Kurt Wasserfallen aus.
Gegen die eigentliche Schliessung (und nicht nur gegen den Entzug der
aufschiebenden Wirkung) wehren sich in den Gemeinden Bremgarten und Kirchlindach
zahlreiche Personen und Firmen. Eine Kollektivbeschwerde ist von nicht
weniger als 31 Personen unterzeichnet worden. Die Beschwerdefrist ist gestern
abgelaufen.
Der Bund: 1995-11-03
KURZ BERICHTET
Halenstrasse : Erster Unfall nach Öffnung
pdb. Erster Unfall nach der (provisorischen?) Wiedereröffnung der
Halenstrasse : Gestern Donnerstag morgen, kurz vor 7.30 Uhr, kollidierte
ein 29jähriger Autofahrer auf der Kreuzung Halenstrasse /Brückbodenstrasse
mit einem vortrittsberechtigten, von der Halenbrücke herkommenden,
stadteinwärts fahrenden Automobilisten. Während die beiden Autofahrer
unverletzt blieben, erlitt eines der Fahrzeuge Totalschaden. Nur knapp
drei Stunden später ereignete sich ganz in der Nähe ein weiterer
Unfall, der Sachschaden von 50 000 Franken verursachte. Bei der Kreuzung
Neubrückstrasse/Bremgartenstrasse übersah eine 60jährige
Autofahrerin beim Linksabbiegen einen entgegenkommenden Lieferwagen. Verletzt
wurde niemand, jedoch wurden beide Fahrzeuge komplett demoliert.
Der Bund: 1995-12-18
Leserbrief
HALENSTRASSE / Wiederer?ffnung
Hoffen auf Schliessung
Vor etwas mehr als einem Monat wurde die Halenstrasse f?r Motorfahrzeuge
infolge mehrerer Einsprachen provisorisch wiederer?ffnet. Ich befahre diese
Strasse t?glich mit dem Velo auf dem Weg zur Arbeit. Meine pers?nliche
Bilanz seit der Wiederer?ffnung der Strasse:
Die gem?tliche und entspannende Velofahrt zur Arbeit kann ich wohl bis
zur endg?ltigen Schliessung der Strasse vergessen. Viele (nicht alle!)
Autofah rer (innen) fahren aggressiv, und besonders nachts und bei Nebel
mit ?bersetzter Geschwindigkeit.
Eine Trotzreaktion, weil jetzt die Strasse auch wieder f?r PWs ge?ffnet
ist, oder rasen aus Freude daran, dass man jetzt wieder 5 Minuten fr?her
in der Stadt ist? Inzwischen wurden diverse Tiere angefahren und get?tet,
und es gab mindestens zwei von Autofahrern verursachte Velo-Autounf?lle.
Besonders heikle Situationen entstehen auf der Br?cke ?ber die N1, wenn
Autofahrer trotz Sicherheitslinie noch schnell einen Velofahrer ?berholen
und gleichzeitig ein Auto entgegenkommt.
Ich danke hiermit dem Gel?ndefahrwagen, welcher mich gestern abend kurz
vor der Br?cke in Richtung Bern ?berholte und wegen eines entgegenkommenden
Postautos von der Strasse abdr?ngte.
Ich hoffe, dass Auto- und Postautofahrer in Zukunft viel r?cksichtsvoller
fahren und freue mich auf eine m?glichst fr?he und endg?ltige Schliessung
der Halenstrasse .
ANDREAS RüETSCHI, Bern
ProLitteris / Gruber Ren?e: 1996-09-20
Freie Fahrt auf Halenstrasse
regierungsstatthalter / Die Halenstrasse zwischen Bern und seiner n?rdlichen
Agglomeration bleibt offen. rg.
rg. Sieg f?r die Gegner der vom Berner Gemeinderat im September 1995
verf?gten Schliessung der Halenstrasse : Bereits einen Monat nach der Schliessung
musste die Strasse wieder freigegeben werden, weil Regierungsstatthalter
Sebastian Bentz gegnerischen Beschwerden aufschiebende Wirkung zugestanden
hatte. Nun hat Bentz diese Beschwerden gutgeheissen und damit ?ber die
eigentliche Schliessung befunden. Bentz kommt zum Urteil, dass die Gemeinderatsverf?gung
aufzuheben ist, wie aus dem Entscheid hervorgeht, den Grossrat Alfred Marthaler
(SVP) als einer der Beschwerdef?hrer gestern nachmittag an die Medien ?bermittelte.
Bentz selber war telefonisch nicht mehr zu erreichen.
-> Der Bund: 1996-09-21
kurz berichtet
Halenstrasse Gegen ?ffnung
bst. Die Halenstrasse bleibt definitiv offen (siehe ?Bund? von gestern).
Junges Bern Freie Liste (JBFL) und die IG Velo
fordern nun den Gemeinderat auf, den Entscheid des Regierungsstatthalters
anzufechten. ?Das Bed?rfnis nach uneingeschr?nkter Fahrt? werde h?her bewertet
als ?die Aufwertung eines wichtigen Naherholungsgebietes?, schreibt JBFL
in einem Communiqu?. Die IG Velo ist ?emp?rt?, dass ?die Sicherheit der
Velofahrenden? weniger z?hle als die ?Bequemlichkeit? der Autofahrer?.
Der Bund: 1996-10-11
Halenstrasse : Bern nimmt einen neuen Anlauf
BREMGArtenwald
msu/sda. Im mittlerweile langj?hrigen Rechtsstreit um die Schliessung
der Halenstrasse gibt der Gemeinderat der Stadt Bern klein bei - und nimmt
zugleich einen neuen Anlauf.
So akzeptiert er den vor zwei Wochen gefallenen Entscheid des Regierungsstatthalters,
dass die Strasse durch den Bremgartenwald offen bleiben muss. 33 Beschwerdef?hrer
aus den Gemeinden Bremgarten und Kirchlindach hatten sich gegen eine Schliessung
f?r den motorisierten Privatverkehr zur Wehr gesetzt.
Statthalter Sebastian Bentz gab ihnen recht, weil gem?ss einem Beschluss
der Kantonsregierung von 1973 vor einer Schliessung der Neufeld-Zubringer
zur Autobahn fertigzustellen sei. Zudem m?sse die Schliessung
mit einer Renaturierung verbunden sein; es gehe nicht an, die Strasse nur
f?r den privaten Verkehr zu sperren, Postautos, Taxis und Velos aber weiterhin
durchfahren zu lassen.
?Ein Weiterzug hat keine Chance?, begr?ndete Polizeidirektor Kurt Wasserfallen
den Verzicht auf den Gang vor Verwaltungsgericht.
Zum andern l?sst der Gemeinderat nun aber die vollst?ndige Schliessung
pr?fen: Das Fahrverbot soll auch f?r Postautos und Taxis gelten, die Strasse
soll renaturiert werden.
Untersucht werden m?ssten auch die Auswirkungen auf die Br?ggbodenstrasse,
auf welcher sich dann der gesamte Verkehr abwickeln w?rde, sagte Wasserfallen.
Diese Strasse, die von der Halenbr?cke zur Autobahnausfahrt Neufeld f?hrt,
ist an gewissen Stellen zu schmal f?r Postautos.
Abkl?ren muss die Verwaltung vor allem die Kosten eines m?glichen Ausbaus
der Br?ggbodenstrasse.
Ob der Gemeinderat danach die Halenstrasse wieder schliessen will, wie
er es in einem Versuch getan hatte, ist nach Wasserfallen noch offen. ?Letztlich
ist es eine Kostenfrage?, sagte der Polizeidirektor und erg?nzte: ?Und
nat?rlich auch eine politische Frage.? |